Netzwerk Mütterinitiativen
Netzwerk Mütterinitiativen 

Drei Fälle zum Aufenthaltsbestimmungsrecht

Fall 1

Anita ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Fakultät der Universität Berlin. Sie bringt ein nicht eheliches Kind zur Welt und lebt vom Vater des Kindes von Anfang an getrennt. Bereits im Verlauf der ersten Jahre kommt es zu großen Umstimmigkeiten, was Entscheidungen für das Kind betrifft. Seit Mai 2013 können Väter das Sorgerecht für ihre Kinder auch gegen den Willen der Mütter einklagen. Dies tut der Vater des Kindes erfolgreich. Damit erhält er auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht für das Kind.  Kurz danach erhält Anita einen Ruf an eine Universität, die einige hundert Kilometer entfernt liegt. Sie ist unendlich glücklich über diese Entwicklung ihrer Karriere. Leider währt die Freude nicht lange. Der Vater macht geltend, dass das Kind am jetzigen Wohnort in Berlin verbleiben müsse, damit es eine soziale Kontinuität habe. Die Mutter könne gern wegziehen, das Kind aber soll dann zum Haushalt des Vaters überwechseln. Nun kann Anita den Ruf nicht mehr annehmen. Das eingeschaltete Jugendamt signalisiert ihr, dass es für einen Verbleib des Kindes in Berlin eintritt. Die soziale Kontinuität des Zusammenlebens mit der Mutter sei nicht von Bedeutung.  Sie versucht noch zu klagen, aber die Fristen verstreichen und die Professur ist anderweitig vergeben. Heute ist Anita arbeitslos. Ihr Vertrag als wissenschaftliche Mitarbeiterin ist ausgelaufen. Bald droht ihr Hartz IV. Anita ist inzwischen in Behandlung in einer psychiatrischen Tagesklinik. Die Prozesse haben sie aber nicht nur psychisch in den Ruin getrieben. Auch finanziell ist sie am Ende. Welche Auswirkungen die Geschehnisse für ihr Kind haben werden, ist ungewiss. Erst einmal lebt es in Armut.

 

Fall 2

Martina wird schwanger von einem Mann, mit dem sie nur eine kurze Affaire hat. Sie bringt ihr Kind in einer westdeutschen Kleinstadt zur Welt. Das Verhältnis zum Vater des Kindes ist im Grunde einigermaßen in Ordnung. Sie überläßt dem Vater des Kindes freiwillig die gemeinsame Sorge von Anfang an, und damit auch das Recht auf Aufenthaltsbestimmung.  Das Kind lebt bei Martina  und es gibt einen regelmäßigen Umgangskontakt zum Vater des Kindes. Kurz bevor das Kind in die Schule kommen soll, wird Martina ein zweites Mal schwanger. Diesmal von einem Mann, der sie liebt und ihr einen Heiratsantrag macht. Der Mann führt ein Unternehmen gut hundert Kilometer entfernt von ihrer alten Heimatstadt. Dorthin will sie jetzt mit ihrem ersten Kind ziehen, passend zum Schulanfang für ihr Kind, das so aus keiner sozialen Gruppe genommen werden muss. Jedoch benötigt sie die Erlaubnis des Kindsvaters des ersten Kindes. Diesem ist der neue Stiefvater ein Dorn im Auge. Zudem will er  zwischen sich und sein Kind keine 100 Kilometer gebracht sehen. Er wehrt sich und verhindert erst einmal gerichtlich, dass das Kind in der entfernten Stadt eingeschult werden darf.

 

Ausgang 1

Martina prozessiert, damit sie mit ihrem ersten Kind in den 100 Kilometer entfernten Wohnort ziehen kann. Als ihr Kind in der Mitte der ersten Klasse ist, gewinnt sie den Prozess und zieht mit ihrem Kind zum Ehemann. Ihr Kind muss sich ein zweites Mal in eine neue Klasse einfinden....

 

Ausgang 2

Verliert sie den Prozess und darf ihr Kind nicht mitnehmen, bleiben ihr nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie verlässt ihr erstes Kind, dass dann beim Vater aufwachsen wird, bei dem es niemals vorher gelebt hat. Oder aber sie bleibt am alten Ort wohnen, verzichtet auf die Ehe und zieht nun beide Kinder alleinerziehend groß.

 

Fall 3

Bettina lebt in Frankfurt und bekommt ein Kind aus einer Kurzbeziehung heraus. Der Vater des Kindes hat kein weiteres Interesse an ihr und unterstützt die Schwangerschaft nicht. Im Gegenteil, er bittet sie mehrmals inständig, das Kind abzutreiben. Nun, da das Kind auf der Welt ist, wird sein Interesse größer. Er hat einen regelmäßigen Umgang zu dem Kind und erklagt sich bei Gericht gegen den Willen von Bettina die gemeinsame Sorge, und damit verbunden, das gemeinsame Aufenthaltsbestimmungsrecht.  Angepasst an das Kindesalter, erhält er ab dem zweiten Geburtstag des Kindes einen Umgang pro Woche über sechs Stunden. Bettina wurde kurz vor Beginn der Schwangerschaft ihr Arbeitsplatz gekündigt, da das Unternehmen sich in Umstrukturierungsmaßnahmen befand. Nach der Geburt ihres Kindes   kann  sie in Frankfurt keine Arbeit mehr finden. Außerdem leben ihre Familie und ihre Freunde in München, ihrer Heimatstadt. In Frankfurt ist sie einsam. Sie sucht sich in München eine neue Arbeit, wird aufgrund des hervorragenden Arbeitsmarktes in München schnell fündig und zieht mit ihrem inzwischen 2,5 Jahre alten Kind nach München zu ihrer Familie, ihren Bekannten und ihrer Arbeit. Als der Vater des Kindes davon erfährt, erhebt er sofort Einspruch. Diesem Einspruch wird stattgegeben. Das Kleinkind wird von Angestellten des Jugendamtes aus der neuen Wohnung in München geholt und zum Vater des Kindes verbracht, bei dem das Kind noch niemals übernachtet hatte. Es wird argumentiert, das Kind brauche eine soziale Kontinuität. Diese Kontinuität könne nur Frankfurt bieten. Die Kontinutität des Zusammenlebens mit der Mutter wird nicht als wichtig angesehen. Die Prozesse laufen. Was eine aprupte Trennung eines zweieinhalbjährigen Kindes von seiner Mutter und Hauptbezugsperson für dieses bedeutet, darüber können Psychologen sicher Auskunft geben.....

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© 2014 Mütterinitiative

Hier finden Sie uns

Netzwerk Mütterinitiativen

Sentastr. 45

22083 Hamburg

Kommt in unsere Selbsthilfegruppe bei Facebook:      

 

Mütterinitiative Public

Rufen Sie einfach an unter

 

040-2996495

 

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.